Anders wirtschaften

Links war gestern

Es wird nicht politisch, zumindest nicht so, wie Sie glauben mögen angesichts der weltpolitischen Tendenzen. Vielmehr soll es heute um die letzte Meile gehen, also dem Weg, den unsere Pakete von unserem Frischelager hin zu unseren Kunden nehmen. Der dauert nur wenige Stunden, denn wir liefern grundsätzlich mit Expresskurieren aus, hat es aber in sich. Erst recht, wenn man sich klar macht, dass im vergangenen Jahr nach Schätzung des Bundesverbandes Paket Express Logistik (BIEK) mehr als 3,1 Milliarden Paketsendungen bundesweit an Privathaushalte, Firmen und Ladengeschäfte zugestellt wurden. Tendenz steigend.


Aller Anfang ist schwer


Im letzten Jahr habe ich mir die Frage gestellt, wie wir die Werte und Philosophie unseres täglichen Handelns besser dokumentieren und vermitteln können. Nachdem die Themen Qualität, Hygiene und Umwelt bereits in mehr oder minder handliche Handbücher gegossen sind und ein Heerschar von Beratenden nahezu jedes Unternehmen damit zwangsbeglückt haben, steht Nachhaltigkeit gerade hoch im Kurs. Weltweit kursieren einige Ansätze, die am Ende eines gemeinsam haben: Wenn es schlecht läuft, erfüllt man zwar die Norm und hat ein schickes Zertifikat vorzuweisen, kann aber munter weiter Massentierhaltung betreiben oder Atomkraftwerke bauen. Oder womit man sonst so sein Geld verdient.

Ein Ansatz freilich versprach eine andere Sprache. Und stellt andere Fragen: Zum Beispiel danach, um welchen Faktor sich das Lohnniveau maximal spreizt, also wieviel mehr der Geschäftsführer im Vergleich zur Putzkraft verdient. Oder welche Rolle die Mitbestimmung im Unternehmen hat. Wie das Unternehmen in die Gesellschaft hineinwirkt. Sie merken, ich gerate ins Schwelgen. Gemeinwohlökonomie nennt sich diese erfrischend neue Weise, Wirtschaft zu sehen und zu betreiben. Zu den stattlichen Vorzeigeunternehmen, die dies bereits leben gehören die Biopioniere von Sonnentor und der Bergsportartikelhersteller Vaude.


Die beste aller Verpackungen


Der Rundumblick der Gemeinwohlbilanzierung erfasst aber auch klassische Bereiche wie die Stoffströme und den für einen Versandhändler besonders wichtigen Bereich der Verpackung und der Transportwege. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits auf der Suche nach einer neuen Isolierverpackung für unsere gekühlten Genusswaren. Denn Styropor schien uns nicht die beste Materialwahl zu sein und zudem für unsere Kunden schwer zu entsorgen. Das dann aber auch die Herstellung der Einwegboxen energetisch so zu Buche schlägt, dass viermal so viel CO2 dabei anfällt als wie der spätere bundesweite Transport der von uns befüllten Boxen zu unseren Kunden hin, das hat auch uns überrascht. Mittlerweile sind wir auf ein neues Verpackungskonzept umgestiegen, das zur Isolierung gänzlich auf Styropor verzichtet und stattdessen aus Karton und Stroh besteht. Und für die Einweg-Kühlakkus haben wir ganz in der Nähe einen würdigen Nachfolger gefunden. Wir frieren das Mineralwasser der Haaner Waldquelle in Halbliterflaschen ein und kühlen damit unsere Pakete. Das aufgetaute „Kühlwasser“ kann man dann trinken und die leere bepfandete PET-Flasche an der lokalen Leergutannahme zurückgeben.


Richtungswechsel: „An der nächsten Kreuzung bitte …“


Umso mehr freut es uns, wenn auch unsere Geschäftspartner sich Gedanken für Ihren Wirkungsbereich machen. Machen müssen. Für die „letzte Meile“ arbeiten wir mit dem Expresskurierdienst von UPS zusammen. Der sich sehr intensiv mit der Frage auseinandersetzt, welche Antriebskonzepte für die Zustellfahrzeuge für die Zukunft sinnvoll sind. Aber auch damit, wie sich die Tourenplanung für jedes einzelne Fahrzeug so optimieren lässt, dass Wegstrecken und -zeiten - und damit eben auch Energieverbrauch und Emissionen - vermindern lassen. In diesem Zusammenhang wurde analysiert, dass das Linksabbiegen - Sie werden das kennen - für gewöhnlich längere Wartezeiten, manchmal auch mehrere Ampelphasen lang braucht. In der zukünftigen Routenplanung wird daher darauf geachtet, möglichst wenig nach links abbiegen zu müssen. Denn in diesem Fall ist rechts wirklich die bessere Entscheidung

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Hans-Georg Pestka

Hans-Georg Pestka

Seine italienischen Wurzeln wiesen den  Weg zur Esskultur. Leidenschaftlich  engagiert, wenn es um Genießen mit  Verstand geht.