Über den Tellerrand

Kultur und Essen – Treffen sich zwei

Selten habe ich mich über die Ankündigung einer Lesung sogefreut wie über die von Stevan Paul. Dieser kulinarische Tausendsassa gehörtfür mich zu den Menschen, die das Tor für kulinarische Themen auch imdeutschsprachigen Raum geöffnet haben. Er konnte dies auf einer gutenfundierten Basis als gelernter Koch und Foodstylist und hat dabei auch densozialen Medien gegenüber keinerlei Berührungsängste. Ob Blog oder Facebook,Stevan nutzt alle Kanäle. Und seine Inhalte sind dabei profund undkenntnisreich - womit er sich wohltuend von dem ein oder anderen Blog abhebt, derals Fotobuch für eher zufällige kulinarische Resultate herhalten mag.

 

Kulinaristik aufReisen


Nun ist  Stevan Paulist also zu einer Lesung nach São Paulo eingeladen, denn auch als Autor fürTexte auf bedrucktem Papier macht er auf sich aufmerksam. Nach Erzählungen ausseinen Lehr- und Wanderjahren und einigen Kochbüchern ist gerade sein ersterRoman „Der große Glander“ erschienen. Eingeladen wurde Stevan vomGoethe-Institut in Brasilien. Dessen Kernaufgabe ist neben der Vermittlung derdeutschen Sprache, einen lebendigen Ausschnitt der Kultur unseres Landes zuzeigen. Gelegenheit dazu bieten neben Kunst, Musik und Theater auch immerwieder  literarische Schwerpunkte. Dieprogrammatische Arbeit einer solchen Institution darf man nicht gering schätzenund wer Deutschland dabei in der Welt vertreten darf, ist stets eine wohlgesetzteEntscheidung.

 

Die frohe Botschaft


So sehr es mich freut, dass Stevan hier einen sehr verdientenAnlass bekommt, sein Werk zu präsentieren, umso mehr freue ich mich darüber,dass ein kulinarisches Thema dazu für würdig erkoren wurde. Denn mal ehrlich: Sonderlichselbstbewusst sind wir Deutschen ja nicht, was unsere Esskultur betrifft. Unddabei ist Ernährung - also was wir wie erzeugen, handeln, zubereiten und unsschlussendlich einverleiben - die reine Kultur. Meine Damen und Herren,Deutschland repräsentiert sich erstmals - und wohlwollend abgegrenzt zum Weißwurst-Frühstückund dem Label der Schweinefleisch-Exportnation - als Kulturbotschafter desEssens.

Das lässt mich hoffen, denn man kann schlecht für etwas eintreten,was man von außen betrachtet, aber von innen heraus nicht fühlt. Möge diesesBeispiel also für ein neues Selbstbewusstsein stehen, dass Essen Kultur ist unddamit ein zu schützendes Gut.

Auch in Deutschland übrigens.

© Goethe Institut
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Hans-Georg Pestka

Hans-Georg Pestka

Seine italienischen Wurzeln wiesen den  Weg zur Esskultur. Leidenschaftlich  engagiert, wenn es um Genießen mit  Verstand geht.