Über den Tellerrand

Kultur und Essen – Treffen sich zwei

24. August 2016

Selten habe ich mich über die Ankündigung einer Lesung so gefreut wie über die von Stevan Paul. Dieser kulinarische Tausendsassa gehört für mich zu den Menschen, die das Tor für kulinarische Themen auch im deutschsprachigen Raum geöffnet haben. Er konnte dies auf einer guten fundierten Basis als gelernter Koch und Foodstylist und hat dabei auch den sozialen Medien gegenüber keinerlei Berührungsängste. Ob Blog oder Facebook, Stevan nutzt alle Kanäle. Und seine Inhalte sind dabei profund und kenntnisreich - womit er sich wohltuend von dem ein oder anderen Blog abhebt, der als Fotobuch für eher zufällige kulinarische Resultate herhalten mag.

 

Kulinaristik auf Reisen


Nun ist  Stevan Paul ist also zu einer Lesung nach São Paulo eingeladen, denn auch als Autor für Texte auf bedrucktem Papier macht er auf sich aufmerksam. Nach Erzählungen aus seinen Lehr- und Wanderjahren und einigen Kochbüchern ist gerade sein erster Roman „Der große Glander“ erschienen. Eingeladen wurde Stevan vom Goethe-Institut in Brasilien. Dessen Kernaufgabe ist neben der Vermittlung der deutschen Sprache, einen lebendigen Ausschnitt der Kultur unseres Landes zu zeigen. Gelegenheit dazu bieten neben Kunst, Musik und Theater auch immer wieder  literarische Schwerpunkte. Die programmatische Arbeit einer solchen Institution darf man nicht gering schätzen und wer Deutschland dabei in der Welt vertreten darf, ist stets eine wohlgesetzte Entscheidung.

 

Die frohe Botschaft


So sehr es mich freut, dass Stevan hier einen sehr verdienten Anlass bekommt, sein Werk zu präsentieren, umso mehr freue ich mich darüber, dass ein kulinarisches Thema dazu für würdig erkoren wurde. Denn mal ehrlich: Sonderlich selbstbewusst sind wir Deutschen ja nicht, was unsere Esskultur betrifft. Und dabei ist Ernährung - also was wir wie erzeugen, handeln, zubereiten und uns schlussendlich einverleiben - die reine Kultur. Meine Damen und Herren, Deutschland repräsentiert sich erstmals - und wohlwollend abgegrenzt zum Weißwurst-Frühstück und dem Label der Schweinefleisch-Exportnation - als Kulturbotschafter des Essens.

Das lässt mich hoffen, denn man kann schlecht für etwas eintreten, was man von außen betrachtet, aber von innen heraus nicht fühlt. Möge dieses Beispiel also für ein neues Selbstbewusstsein stehen, dass Essen Kultur ist und damit ein zu schützendes Gut.

Auch in Deutschland übrigens.

© Goethe Institut
2 Kommentare
14. November 2016 von Peter Paul
...oder bei einem der vielen sattgrünen und veganen Retaurants vor unseren Haustüren
28. August 2016 von Susa
Oh, das macht große Lust aufs Buch! Und vielleicht könnte/sollte Herr Paul auch mal an unseren Inlandsinstituten lesen ;)
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