Unsere Produzenten

Peter Zeller

Einen Nicht-Ort hätte der französische Anthropologe Marc Augé wohl diesen Fleck genannt. Auch das Navi tut sich schwer, die eingegebenen Koordinaten zielführend zu verarbeiten. Ein grauer Novemberhimmel macht die Szenerie an diesem Tag perfekt. Dabei sind wir doch der Zukunft auf den Fersen, wollen erfahren, welche Antworten eine moderne Fischzucht auf das zunehmende Artensterben, die Überfischung und Vermüllung der Meere geben kann.


Bonjour Tristesse


Dafür ist das Gelände der ehemaligen Kokerei in Völklingen der perfekte Ort. Bereits 2007 erfolgte hier der Spatenstich für Europas erste Meeresfisch-Zuchtanlage. Nach langen Zeiten der Schwerindustrie sehnte sich die Stadt nach einer neuen Nutzung der sanierten Brache. Doch nach einer ganzen Reihe von Pleiten, Pech und Pannen – der Deutsche Steuerzahlerbund nannte die Anlage beispielhaft für eine „glatte Fehlinvestition“ einer Kommune – wurde die Schließung der Pilotanlage im Sommer 2015 durch einen Verkauf an eine Schweizer Investorengruppe abgewendet.

Der Club der Connaisseure


Peter Zeller, ein Vitalität und Geschäftssinn ausstrahlender Züricher, führt für eine Gruppe genussfreudiger Schweizer „im dritten Lebensabschnitt“ die Geschäfte vor Ort. Es spricht für sich, dass die gesamte Belegschaft in Lohn und Brot geblieben ist. Zeller vergräbt sich mit ihnen in den Zahlen- nicht den betriebswirtschaftlichen, die beweisen unmissverständlich den Niedergang des Prestigeobjekts. Das Team trifft auf eine Unmenge von Messdaten, denn die Anlage ist gespickt mit Sensoren und hat all dies dokumentiert. Zeller will ein lernendes Unternehmen daraus machen und so haben alle vierzehn Mitarbeitenden vollen Einblick (neben ihrer eigenen Erfahrung aus den vergangenen Jahren). Nachdem die Kardinalsfehler lokalisiert sind, werden schnell die notwendigen Investitionen umgesetzt und es wird ein Vertriebskonzept entwickelt. Denn an den Verkauf der Fische hatte seinerzeit tatsächlich niemand gedacht.

Auch die Meeresbiologin Verena Hanke ist seit Beginn an dabei. Und froh über den frischen Wind im Unternehmen. Wir betreten mit ihr die Halle mit den vier Zuchtbecken und riechen …. das Meer. Dabei hat die Anlage nichts von den romantischen Vorstellungen, die viele mit dem Fischfang auf hoher See verbinden. Man muss unweigerlich an eine Fabrikhalle denken, wären da nicht die unzähligen Fische, die ihre Bahnen ziehen. Es sind Doraden, wie wir später sehen, denn die schwimmen gerne im Schwarm direkt unter der Wasseroberfläche, während es die Wolfsbarsche lieber am Beckenboden ruhig haben. „Die suchen den Weltfrieden“, bemerkt Hanke dazu und es ist einnehmend, wie liebevoll sie über ihre Schützlinge spricht.

Die kommen als zentimeterkleine Jungfische nach Völklingen. Und leben in einer Mischung aus Saarländer Trinkwasser und Meersalz, die viermal am Tag komplett umgewälzt wird. Dabei durchläuft sie eine mehrstufige Filteranlage, die das Wasser von Verunreinigungen befreit. In einem Becken wogt es heftig. Dort befinden sich zahlreiche Füllkörper - kleine verschachtelte Ringe aus Kunststoff - an deren Oberfläche sich Bakterien gerne ansammeln. So werden sie dem Wasser entzogen, sodass auf eine Gabe von Antibiotika komplett verzichtet werden kann.

Knackpunkt bei der Aquakultur ist daneben immer auch das Futter, denn Raubfische ernähren sich nun mal von Fisch. In Völklingen kommt bio-zertifiziertes Fischfutter zum Einsatz, das aus Fischmehl und -öl sowie Getreide besteht. Eine Solaranlage auf dem Dach sorgt für Strom und „Friends of the sea“ stuft die Gesamtanlage als vorbildlich nachhaltig ein. Der Fisch aus Völklingen hat sich in kurzer Zeit unter Köchen einen guten Namen gemacht. Und das liegt vor allem an seiner Frische und dem reinen Geschmack. Innerhalb von 24 Stunden sind die Doraden, Wolfsbarsche und Gelbschwanzmakrelen nach der Schlachtung bereits beim Kunden.