Unsere Produzenten

Markus Kober

Das lockige Haare noch feucht vom Duschen nach einer Radtour, öffnet uns Markus Kober schwungvoll die Tür. Dieser Mann ist gern in Bewegung, das sieht man auf den ersten Blick. Und dann sind da diese Augen. Zum ersten Mal an diesem Nachmittag funkeln sie intensiv, als der 48-Jährige erzählt, was es mit den bunten Bändern vom JazzBaltica an seinem Handgelenk auf sich hat. Der Jazzfreund gehört zu den Förderern des renommierten Festivals im Norden der Republik.

Sport, Jazz und Käse


Das alles hat erst einmal wenig mit Käse zu tun. Doch um den dreht sich unser Besuch, denn Markus Kober ist Affineur. Von seinem Firmensitz, der passenderweise in der Altern Meierei, der ehemaligen Milchsammel- und Verarbeitungsstelle der umliegenden Bauernhöfe, in Besdorf vor den Toren Hamburgs liegt, beliefert er seine Kunden mit von ihm selektierten und gereiften Milcherzeugnissen. Hier kommt die sportliche Leistung wieder ins Spiel, denn die Suche nach den besten individuellen Erzeugern verlangt Ausdauer und Detailkenntnis. Und wie es beim Jazz unterschiedliche Stile gibt, so ist die Vielfalt beim Käse ungleich größer. Herstellung, Geschmack, Lagerung und Reifung - da braucht man schon die Erfahrung eines Altmeisters. Sei es als Jazzer oder Affineur.

Der zweite Bildungsweg


In seinem ersten Berufsleben war Markus Kober Pädagoge. Zu einer Zeit als diese weniger gesucht waren, sattelte er um und kümmerte sich um die Landwirtschaft seiner Familie im Schwäbischen. Diese Herausforderung währte nicht lange und so ging er der Liebe wegen in die Heimat seiner norddeutschen Frau. In Hamburg verkaufte er mit seinem Stand Käse auf Wochenmärkten, bald kam ein Ladengeschäft hinzu. Wie das manchmal eben so läuft: Mit wachsendem Wissen und Interesse merkt man auf einmal, dass noch mehr möglich ist. Mit anderen Bio-Käse-Händlern gründete Kober eine Einkaufsgemeinschaft und begann nach einiger Zeit, selbst Käse zu reifen und zu pflegen. Damit nicht genug: Der Fachmann kümmert sich neben der Affinage noch um die Beratung und Schulung von Einzelhandel, Restaurants - und zunehmend kleineren Hofkäsereien, die Ambitionen haben.

Eine Passion: Deutscher Spitzenkäse


Hier ein Stückchen vom französischen Ziegenkäse zum Probieren, jetzt sein norddeutsches Pendant: Wir schmecken beim Verkosten im Kellergewölbe, was Kober meint, wenn er begeistert von den Fortschritten beim deutschen Käse spricht und ihn gleichzeitig noch nicht auf dem Niveau internationaler Spitzenklasse sieht. Eine Käsekultur, die noch in den Kinderschuhen steckt. Und doch hat der Wahl-Norddeutsche ein Faible für hiesige Erzeugnisse. Das geht weit über den bloßen Verkauf hinaus und umfasst ein wahres Einreden mit Engelszungen auf heimische Bauern. Eine Aufgabe wie ein Marathon.

Wachsen. Aber nicht um jeden Preis.


Nicht nur dieses Projekt hat Zukunftscharakter. Seine Kennerschaft hat Kober zum Deutschlandrepräsentanten des französischen Käsehauses Mons und des bekannten englischen Käsespezialisten Neal’s Yard Dairy gemacht, deren Produkte zu seinem Portfolio gehören. Guter Käse ist in der Gastronomie und beim Endverbraucher beliebt und so ist Kober gefragt. Dieses Wachstum bei gleichzeitigem Beibehalten der hohen eigenen Qualitätsansprüche und der seiner Kunden, die auch aus der deutschen Spitzengastronomie stammen, benötigt Platz. So sind die Räumlichkeiten am und unterm Familienwohnhaus einfach zu klein und unpraktisch geworden. So gut das Idyll der ehemaligen Meierei zur Unternehmung passt, ist schon ein Grundstück für einen geplanten Neubau ausgeguckt. Und wie es in heutigen Zeiten so ist, sind es die Banken, die für falsche Zwischentöne sorgen und beim anstehenden Mammutprojekt auf dem Mammon sitzen, statt in eine prosperierende Unternehmung mit Motivation, Erfolg und Zukunft zu investieren. Aber Kober wäre nicht Kober, hätte er nicht auch darauf Antworten parat - jetzt funkeln die Augen zum wiederholten Male an diesem Nachmittag.