Unsere Produzenten

Anne Marie Moreau

Es ist diese Herausforderung, die Anne Marie Moreau antreibt. Der tägliche Kitzel, die Minuten und Sekunden absoluter Hochspannung vor dem Bildschirm, wenn der Startschuss für die nächste Fischauktion fällt; der Spagat, die Auktionen der sechs bretonischen Häfen gleichzeitig auf mehreren Monitoren im Blick zu behalten, und das Ringen mit den Mitbietern. Zweimal am Tag verlangt dieses Rennen von Anne Marie vollste Konzentration.

Alain Ducasse hängt an der Wand


Eine halbe Stunde von der kleinen Hafenstadt Saint-Quay-Portrieux entfernt, liegt das flache Lagerhaus. Im Durchgang zum Büro, gleich neben den wattierten Thermojacken am Kleiderhaken, erhebt Alain Ducasse auf einer Urkunde das Unternehmen zu einem der „besten Lieferanten Frankreichs“. Er muss es wissen, denn er steht auf der kleinen und feinen Kundenliste. Genau wie viele andere besternte Spitzenköche in Frankreich und jene, deren Töpfe und Pfannen gerade irgendwo auf der Welt brutzeln. Denn Fisch, den kaufen in Frankreich ausgebildete Köche eben am liebsten daheim.


Das Objekt, oder besser gesagt die Objekte der Begierde, sind heiß begehrt und warten wenige Stunden nach dem Fang in den Auktionshallen der Häfen - kalt, schlüpfrig und nach Fangmethode, Qualität und Größe sortiert - darauf meistbietend ersteigert zu werden. Anne Marie kauft Fisch aus Tagesfang, der vor der bretonischen Küste von kleinen Fischerbooten dem Meer abgerungen wurde. Jeder Tag gleicht einem Puzzlespiel - hochkomplex und nichts für schwache Nerven. Denn anders als beispielsweise bei der Schweine- oder Rindermast lässt sich morgens schwerlich voraussagen, was gegen Mittag im kühlen Bauch des Lagerhauses landet und dort wenige Stunden später die Reise fortsetzt. Jede Auktion ist ein Ringen um den besten Fisch, die besten Krustentiere, und ein Wettlauf mit der Zeit noch dazu.

Volle Konzentration bei jeder Auktion


Vorbei sind die Zeiten, als sich dicke Marketender im grellen Neonlicht riesiger Auktionshallen mit heiserer Stimme lautschreierisch zu überbieten versuchten. Heutzutage findet das alles virtuell und in fast gespenstischer Ruhe statt. Zusammen mit ihrem Team sitzt Anne Marie vor den Computern, vergleicht Preise, Mengen, Qualität und Fangmethoden, wägt Risiken ab, prüft, rechnet, kalkuliert und lässt die Drähte glühen. Ein knallhartes Business, in dem nur der bestehen kann, der einen kühlen Kopf behält und mit jahrelanger Erfahrung aufwartet. Seit über 26 Jahren arbeitet die hochgewachsene Französin nun schon in diesem Metier, vor 22 Jahren gründete sie ihre eigene Firma - die Arbeit bei einem Fischhändler brachte sie auf den Geschmack. Nach wie vor ist der Fischhandel eine absolute Männerdomäne. Und ein echter Knochenjob, auch wenn sie nicht selbst nachts im Kutter raus aufs Meer fährt und im kobaltblauen Dunkel der Nacht in Gummistiefel, Wollmütze und Anorak gehüllt Seeteufel, Taschenkrebse, Rotbarben, Jakobsmuscheln oder Petersfisch aus den Tiefen des Ozeans holt.

Fisch aus Wildfang in dieser Frische und Qualität ist ein echtes Privileg.